Geschichte von 1959 - 2009

 

Obermarxloh in den fünfziger Jahren: Felder und Weiden, große Gärten und weite  Ackerflächen um stattliche   Bauernhöfe, dazwischen Siedlerhäuser und  nur um das Schützenhaus Klapheck herum einige größere Wohnhäuser. Die bis dahin nur bis zur Emscher reichende Besiedlung Hamborns greift über den Kanal aus. Die Frauenwiese, Schlachthofstrasse  und Tellmannshof entstehen als erste moderne Siedlungen  diesseits der Emscher. Immer mehr Katholiken wohnen nun in dem „eigentlich evangelischen“  Ortsteil. Die Pfarrei  St. Norbert, zuständig für Obermarxloh,  wächst auf mehr als 13 000 Seelen.

Das 1958 entstandene Bistum Essen mit Ruhrbischof Hengsbach an der Spitze gründete neue Pfarreien, nicht nur in Hamborn.

St. Hildegard entstand als Rektoratspfarre auf dem Gebiet der Pfarrei St. Norberts und war nun zuständig für die Seelsorge  im noch ländlichen Röttgersbach.

Der Landwirt Paul Stellte, dessen Hof  an der Oberen Holtener  Straße lag,  gab das Grundstück für den Kirchbau.  Auf der Fläche des heutigen  Kindergartens  wurde die Notkirche aufgestellt  und am  25. Dezember 1959 von Ruhrbischof Hengsbach geweiht.   Erster Pfarrer in St. Hildegard wurde Josef Loeven aus Kapellen,  der  –  mangels Pfarrhaus  - zunächst in das damals modernste Gebäude des Stadtteils, das später als Biefanghaus  bekannte  Hochhaus zwischen Kaiser- Friederich und Biefangstraße  einzog.

 

Die neue Gemeinde St. Hildegard setzte sich aus Teilen der bereits bestehenden Gemeinden St. Norbert, St. Barbara und Herz Jesu zusammen.

Und was so eine neue Gemeinde am Anfang begleitet sind:

  • Fehlende Gemeinschaftsräume
  • Fehlende Pastorenwohnung
  • Fehlende Ansprechpartner.

So setzten sich verantwortliche Frauen und Männer aus den benachbarten Gemeinden zusammen und begannen mit dem Aufbau der neuen Gemeinde:
Messdiener wurden zunächst aus der Gemeinde St. Norbert geliehen; später etablierten sie sich in unserer Gemeinde und gründeten weitere Messdienergruppen. Der Küster arbeitete nur ehrenamtlich; oft musste der Pfarrer selbst Küster sein und zur Messfeier die Vorbereitung übernehmen.
Die musikalische Gestaltung und Begleitung der Messfeiern auf dem altehrwürdigen Harmonium wurde durch die Nachbargemeinde St. Barbara geleistet.
Die regelmäßige Reinigung der Kirche übernahmen selbstverständlich freiwillig und unentgeltlich Frauen aus unserer Gemeinde.
Im Schützenhaus Klapheck fanden die notwendigen Gesprächskreise zu Arbeitsabläufen und Organisationen für die neue Gemeinde statt.

So erhielt der neue Pfarrer den Auftrag für  die Kinder  von St. Hildegard eine Erstkommunionfeier vorzubereiten. Nach vorliegenden Listen sollten ca. 50 Kinder in der neuen Gemeinde zur 1. hl. Kommunion gehen.
Am 24. April 1960 war es dann soweit, insgesamt 16 Mädchen und Jungen gingen in der neuen Gemeinde mit zur 1. hl. Kommunion.
Viele Eltern haben sich am Ehrentag ihrer Kinder für Glockengeläut und Orgelspiel in den Nachbargemeinden entschieden, deshalb war der Kreis in St. Hildegard so klein.

 

Seit 1957 wurde entlang der Schlachthofstraße gebaut, St. Hildegard wuchs immer weiter.  Doch immer noch lag die Holzkirche umgeben von Bauernhöfen und Viehweiden.
In den folgenden Jahren entwickelte sich dann ein aktives Gemeindeleben.

In den ersten Jahren der jungen Gemeinde fand sonntags nach dem Fronleichnamsfest unsere Prozession statt. Altäre, Fahnen Baldachin usw. mussten wir aus den Nachbarpfarreien entleihen.

 

Die Sommer in der Kirche waren immer sehr warm. Zum Lüften wurden bei den Gottesdiensten oft alle Türen geöffnet. Deshalb war es keine Seltenheit, dass Hunde, Katzen und Vögel auch zu den Gottesdienstbesuchern zählten. Es kam auch schon mal vor, dass eine Kuh von der benachbarten Weide ihren Kopf durch die Tür steckte und sich durch ein lautes Muh am Gottesdienst beteiligte. Im Winter war es dagegen sehr kalt. Die drei stark riechenden Ölöfen in der Kirche konnten nicht genügend Wärme verbreiten. Die Kirchenbesucher saßen in dicken Mänteln und mit Handschuhen im Gottesdienst.
Um Heizkosten zu sparen, wurde ein Teil der Sakristei zu einer Werktagskapelle umgebaut.
Stetig stieg die Zahl der Kirchenbesucher an. Es bildeten sich bald Frauengemeinschaft und KAB. Die Messdienergruppe wurde größer und es entstand dann auch die erste Jugendgruppe

 

Auf der Wiese neben der Kirche wurde das erste Pfarrhaus aus Holz gebaut.

Als ein Brand einen Teil unserer Notkirche zerstörte. wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten notwendig und viele fleißige Helfer und Helferinnen legten Hand an, damit nach wenigen Wochen die Gottesdienste wieder in unsere Kirche gefeiert werden konnten.

 

Mitte der sechziger Jahre begannen die Bauarbeiten für den Kreyenbergshof. Wieder wuchs die Zahl der Seelen in St. Hildegard. Auch die Notkirche wurde aus gebaut, in der Verlängerung der Sakristei  entstanden Räume für die Gemeinde, dort fanden z.B. die Gruppenstunden  der Messdiener  statt.

In der Anfangsphase wurde unser Vikar und spätere Pfarrer Josef Loeven von Bernhard Horstkötter jetziger Pater Ludger unterstützt. Dieser legte auch mit der Messdienerfreizeit in der Jugendherberge von Schloß Burg während der Pfingstferien  den Grundstein für weitere Fahrten und Zeltlager. Als Pfarrer Loeven einen Herzinfarkt erlitt und für längere Zeit krankheitsbedingt ausfiel, übernahm Pater Remigius von der Abtei vertretungsweise die Seelsorgearbeit in unserer Pfarrei. Später bekam die Pfarrei dann auch ihren ersten Kaplan.

 

In der Anfangsphase wurde unser Vikar und spätere Pfarrer Josef Loeven von Bernhard Horstkötter jetziger Pater Ludger unterstützt. Dieser legte auch mit der Messdienerfreizeit in der Jugendherberge von Schloß Burg während der Pfingstferien  den Grundstein für weitere Fahrten und Zeltlager. Als Pfarrer Loeven einen Herzinfarkt erlitt und für längere Zeit krankheitsbedingt ausfiel, übernahm Pater Remigius von der Abtei vertretungsweise die Seelsorgearbeit in unserer Pfarrei. Später bekam die Pfarrei dann auch ihren ersten Kaplan.

Heiner Wöstefeld kam nach seiner Priesterweihe am 02.02.1967 in unsere Gemeinde und blieb bis 1974.

Er hatte während dieser Zeit wesentlichen Anteil an der Jugend- und Vereinsarbeit der Männer- und Frauenvereine.

Michael Zielonka, ein junger Mann aus unserer Gemeinde wurde am 09. Juni 1973 zum Priester geweiht.

Ende der sechziger Jahre entstanden die Wohnhäuser entlang der Waldecker und der Coburger Straße, St. Hildegard wuchs erneut. Mit fast 6000 Seelen wurde St. Hildegard zu einer der größten Pfarreien im Dekanat Hamborn. In gleicher Weise wie Hamborn jenseits der Emscher Einwohner verlor, wuchs diesseits der  Emscher die  Gemeinde St. Hildegard. Ein weiterer Schub für die Besiedlung der Gemeinde war in diesen Jahren die Bebauung entlang der nun mit neuem Verlauf gestalteten Oberen Holtener  Str.

Im Kirchenvorstand waren einige der ortsansässigen Geschäftsleute vertreten, die die Aufbauarbeit unserer jungen Gemeinde  St. Hildegard sehr unterstützten und sich für den Bau einer neuen Kirche einsetzten. 1969 wurde der   Grundstein für unsere heutige Kirche und das Gemeindezentrum gelegt. In mehrjähriger Bauzeit entstanden bis 1973 das Kirchengebäude, die Pastorat, der Kindergarten und das Pfarrheim.

Noch einmal feierte die Kirchengemeinde in der jetzt funktionslosen Holzkirche das  Pfarrfest, dann stand der Abriss der Notkirche an.

Am 2.September  1973 wurde die neue,  nach Plänen  des  Architekten  Günter  entstandene  Kirche endlich feierlich  eingeweiht.

Die Gemeinde hatte einen neuen Mittelpunkt, verlor jedoch kurze Zeit später den beliebten Kaplan Heiner  Wöstefeld,  der seine erste Pfarrstelle in Wattenscheid  antrat.

Pfarrer Loeven stand nun wieder alleine an der  Spitze der Pfarrei, bis ihn eine schwere Erkrankung niederwarf. Die Gemeinde funktionierte weiter. Erst später fand Josef Loeven Unterstützung in der Seelsorge und Gemeindearbeit in den Kaplänen Zadanowicz und Marian Talaska.

Am26.Dezember 1977 ging der Gründungspfarrer von  St. Hildegard nach  fast 20 Jahren an der Spitze der jungen Gemeinde in den Ruhestand.  Kaplan Talaska stand in der Übergangszeit an der Spitze der Pfarrei.

Im Januar 1978 kam  Gerhard Reinders  auf seine erste Stelle als Pfarrer in der Nachfolge von Josef Loeven an die Spitze der Pfarrei: Eine neue Ära begann für St. Hildegard.

Nachdem nun vieles aus den Anfangsjahren berichtet wurde, beginne ich mit der Zeit ab der Einführung von Gerhard Reinders. Er wurde am 29. Januar 1978 in das Amt als Pfarrer der Gemeinde St. Hildegard eingeführt.

Gerhard Reinders nahm sich Zeit und begann mit dem Aufbau einer modernen Gemeinde. Er gründete Arbeitskreise, die sich um die entsprechenden Aktivitäten kümmerten. Dabei wurde er unterstützt von Uta Stötzel, die 1981 nach St. Hildegard kam. Am Anfang stand die Flüchtlingsarbeit in diesem Stadtteil. Menschen aus dem Libanon, dem Irak, dem Iran und dem ehemaligen Jugoslawien lebten hier und wurden von der Gemeinde unterstützt. In dieser Zeit wurde die Kleiderkiste, die seit November 1986 aktiv ist, gegründet. Auch die Kinder- und Jugendarbeit entwickelte sich und mündete in der Gründung der Arche. Sie wurde ein wichtiger Bestandteil unserer Gemeinde und ist heute ein täglicher Anlaufpunkt für viele Kinder.

Aber auch die Aufbauhilfe für Polen hatte in den 80er und 90er Jahren eine besondere Priorität. Die Transporte in die Region Oberschlesien sprachen sich über die Stadtgrenzen Duisburgs hinaus herum. Von Überall kam Hilfe und die LKW`s für die mehr als 50 Transporte waren immer randvoll. Aus dieser Zeit entwickelte sich eine lang andauernde Freundschaft mit polnischen Gemeinden in Nowy Bytom, Boguszowice und später Zory. Unser Freund Staszek war nach der Öffnung der Grenzen regelmäßig hier in unserer Gemeinde mit vielen Jugendlichen zu Gast. Dazu kamen Gegenbesuche unserer Jugend nach Polen. Auch das Bedürftigenessen entwickelte sich in unserer Gemeinde zu einem wichtigen Thema. St. Hildegard beteiligte sich von Anfang daran und zwar bis heute an jedem 3. Sonntag im Monat.

Wir wollen auch nicht die ökumenischen Gemeinsamkeiten vergessen. In jedem Jahr trafen und treffen sich Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder zum ökumenischen Kreuzweg am Gründonnerstag und zum ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag. Beide Veranstaltungen waren und sind immer sehr gut besucht.

Fronleichnam feierte man in unserem Ortsteil seit 1982 gemeinsam. Mit St. Barbara und St. Georg fanden im Revierpark Mattlerbusch in jedem Jahr die Fronleichnamsgottesdienste statt.

Die Familiengottesdienste waren die am besten besuchten Gottesdienste in St. Hildegard. Durch Kommunionvorbereitung, Firmvorbereitung und Einbeziehung des Kindergartens, war jeden Sonntag im Gottesdienst etwas los. Eine Gruppe Erwachsener kümmerte sich um die Vorbereitung. Neben dem Kinderchor und der Flötengruppe war der gut bestückte, so genannte Jugendchor, Bestandteil vieler Familiengottesdienste. Auch die ökumenische Chorgemeinschaft gestaltete viele der übrigen Gottesdienste mit.

Ich komme noch einmal auf unseren früheren Pfarrer Gerhard Reinders zurück, der sich um unsere Gemeinde sehr verdient gemacht hat. Gerhard Reinders hat im Jahre 2005, nachdem St. Hildegard bereits dem Rotstift zum Opfer gefallen war, alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit St. Hildegard erhalten bleibt. Zu dieser Zeit war er Pfarrer der 3 Gemeinden St. Hildegard, St. Barbara und St. Georg. St. Hildegard konnte er erhalten, St. Georg wurde St  Hildegard angegliedert und St. Barbara konnte ebenfalls erhalten bleiben. Der Zusammenschluss St. Hildegard und St. Georg wurde zum Jahreswechsel 2007/2008 vollzogen.

Ich gehe zurück in das Jahr 2006. Am 10. Dezember 2006 wurde offiziell die Gründung der Großpfarrei St. Norbert begangen. In einem feierlichen Gottesdienst mit Weihbischof Vorrath wurde der Zusammenschluss auch offiziell besiegelt.

Im Mai 2007 erkrankte Gerhard Reinders schwer und von seiner Erkrankung erholte er sich nicht mehr. Am 10. November 2007 starb Gerhard Reinders. Seiner Beisetzung am 17. November 2007 wohnten viele Gemeindemitglieder, aber auch viele ehemalige Gemeindemitglieder bei.

Fast 2 Jahre war St. Hildegard danach ohne einen Pastor. Die pastorlose Zeit wurde von den Priestern der Nachbargemeinden wunderbar überbrückt. Dafür auch an dieser Stelle noch einmal ein ganz herzlicher Dank.

Im Dezember 2008 wurde die Gemeindereferentin Uta Stötzel nach mehr als 27jähriger Tätigkeit in eine andere Gemeinde versetzt. Dies war nach dem Tod von Gerhard Reinders der zweite schwere Schlag für die Gemeinde.

 

Aber bereits im Februar 2009 bekamen wir mit Herrn Bernd Hullmann einen neuen Gemeindereferenten.

Dann kam Mitte des Jahres 2009 die erfreuliche Nachricht, dass St. Hildegard einen neuen Pastor erhalten wird. Rainer Streich war auserwählt, dieses Amt zu übernehmen. Am 25. Oktober, also vor exakt 2 Monaten, wurde Rainer Streich in das neue Amt eingeführt.

Er wird nun die Geschicke unserer Gemeinde mit bestimmen. Wir wünschen ihm dazu noch einmal alles Gute. Vor allem wünschen wir ihm, dass er schnell umziehen kann, damit ihm der lange Weg aus Essen künftig erspart bleibt, insbesondere bei den Wetterverhältnissen wie vor einer Woche.

Kath. Kirchengemeinde - Propstei St. Johann